An's Bett gefesselt, aber weltweit aktiv

Darmstädter Echo, 22.11.2020

 

Firmengründer K. Nadeem Arif leidet am Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS). Meist muss er vom Bett aus arbeiten. Dennoch lenkt er weiter die Geschicke seiner Firma


Nadeem Arif, Gründer und Chef einer Darmstädter IT-Firma, lässt sich von einer schweren Krankheit nicht die Visionen rauben

 

SÜDHESSEN – „Sie können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen“, schreibt K. Nadeem Arif, „wie lang ein Tag und noch länger eine Nacht sein kann, wenn man nichts unternehmen kann und fast die ganze Zeit im Bett liegen muss.“ Wie geht man damit um, wenn man weiß, dass ein Zustand totaler Erschöpfung nicht vorübergeht, sondern das ganze weitere Leben prägen wird? Man kann resignieren. Oder man führt vom Bett aus ein aufstrebendes Unternehmen und plant eine kräftige Expansion über Grenzen und Kontinente hinweg. Das ist es, was Nadeem Arif macht. Der Groß-Gerauer leidet seit 13 Jahren am Chronischen Erschöpfungs- oder Müdigkeitssyndrom (CFS), einer unheilbaren Erkrankung mehrerer Körpersysteme. Die Ursachen sind ungeklärt, eine Therapie gibt es nicht.


„outsourcing4work“ mit internationalem Erfolg

Arif war 38 Jahre alt, als er an CFS erkrankte. Eine korrekte Diagnose gab es erst neun Jahre später, nachdem er lange Zeit erfolglos wegen vermeintlicher Depressionen behandelt worden war. Zum Zeitpunkt seiner Erkrankung war der gebürtige Pakistaner schon geraume Zeit Unternehmer und „dankbarer Besitzer der deutschen Staatsangehörigkeit“, wie er selbst schreibt. Arifs Firma „outsourcing4work“, gegründet 1993, hat ihre Adresse in der Siedlung Tann in Darmstadt. Sie vermittelt IT-Fachkräfte aus Indien, etwa für Programmierarbeiten. Seit etwa zehn Jahren arbeitet sie „fully remote“, so Arif, also ohne Anwesenheit der Beschäftigten an einem festen Arbeitsplatz. „Unser Team besteht aus mehr als 100 Mitarbeitern, die in 17 Ländern leben“, sagt Firmengründer und CEO Nadeem Arif.
So meldet sich Unternehmenssprecherin Martina Stöcker auf Anfrage aus Südafrika. Seit 20 Jahren lebt die gebürtige Mannheimerin, die zeitweilig in Bürstadt und Lampertheim wohnte, in der Nähe von Kapstadt. „Meine Kollegin Gabi sitzt in Tunis“, erzählt sie munter. „Bei uns gibt es eine tolle Teamarbeit.“ Seit Januar habe „outsourcing4work“ die Mitarbeiterzahl verdoppelt. „Wir dehnen uns gerade in den Niederlanden, Belgien und Schweden aus. Durch Corona ist die Arbeit viel flexibler geworden.“ Die Firma nennt keine Umsatzzahlen, macht aber nach eigenen Angaben seit Jahren Gewinne. Weltweit seien 5000 Menschen für das Unternehmen tätig, wobei man zwischen Festangestellten und Freiberuflern keinen Unterschied mache.


Trotz Einschränkung produktiv arbeiten

Das ganze Team stehe hinter dem behinderten Chef in Groß-Gerau, betont Stöcker. „Die Krankheit nimmt ihm alle Energie“, erzählt sie. „Meist hat er ein Tuch über dem Kopf, um die Augen abzudecken und nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Aber er hat eine hohe Motivation. Wir kommunizieren immer ganz kurz. Manchmal dauert es zwei Tage, bis er sich davon wieder erholt hat.“ Fragen dieser Zeitung beantwortet Arif schriftlich. „Heute kann ich oft monatelang nicht aus dem Haus gehen und liege die meiste Zeit im Bett“, schildert er seine Situation. „Sobald meine Gesundheit es zulässt, fange ich an zu arbeiten, bis ich mich wieder in einem ganz stillen und dunklen Raum erholen muss.“
Gleichwohl sieht sich der 51-Jährige „in der glücklichen Lage, trotz dieser Einschränkungen eine sinnvolle und produktive Arbeit zu haben. Mein Unternehmen war schon immer meine Arbeit und auch mein Hobby.“ Dankbar sei er dafür, „im besten Land der Welt“ zu leben. Chancen will Arif auch Menschen in der pakistanischen Stadt Rabwah (Chenab Nagar) eröffnen: Dort will er mithilfe einer eigenen Stiftung ein IT-Dienstleistungszentrum begründen und so 1000 Fernarbeitsplätze Schaffen.

 

 

 

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